Warum sie über Erfolg oder Scheitern entscheidet
Elternarbeit ist kein „weiches Thema“.
Sie ist eine der zentralen Stellschrauben im inklusiven Fußball.
Viele inklusive Angebote scheitern nicht:
- am Training
- an den Spieler:innen
- an den Rahmenbedingungen
Sie scheitern an unklarer, missverstandener oder fehlender Elternarbeit.
Warum Eltern im inklusiven Fußball eine besondere Rolle haben
Im inklusiven Fußball sind Eltern nicht nur Begleitpersonen.
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Sie sind oft:
- emotionale Sicherheit
- Übersetzer zwischen Kind und Umwelt
- medizinische Verantwortungsträger
- wichtige Beobachter:innen
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Gleichzeitig sind sie:
- verständlicherweise sensibel
- manchmal überfordert
- manchmal beschützend
- manchmal auch misstrauisch
All das ist menschlich.
Aber es braucht klare Rollen.
Ein häufiger Irrtum: „Der Verein kümmert sich jetzt“
In der Praxis erleben wir immer wieder:
- Kinder werden „abgegeben“
- Eltern sind während des Trainings nicht erreichbar
- medizinische Besonderheiten werden vorausgesetzt
- Verantwortung wird stillschweigend übertragen
Das funktioniert im inklusiven Fußball nicht.
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Trainer:innen können:
- keine 1:1-Betreuung leisten
- keine Medikamente verabreichen
- keine medizinischen Entscheidungen treffen
- keine dauerhafte Aufsicht übernehmen
Eltern bleiben Verantwortungsträger.
Anwesenheit ist kein Kontrollverlust – sondern Sicherheit
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Gerade bei:
- Autismus
- ADHS
- Epilepsie
- Mehrfachbehinderungen
- starken emotionalen Schwankungen
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ist es sinnvoll, dass Eltern:
- erreichbar bleiben
- ansprechbar sind
- im Notfall eingreifen können
Das bedeutet nicht, dass Eltern das Training stören sollen.
Es bedeutet: Sicherheit schaffen.
Eingewöhnung braucht Begleitung – nicht Druck
Ein häufiger Fehler:
Kinder sollen „einfach mitmachen“.
Inklusion funktioniert anders.
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Manche Kinder brauchen:
- Zeit
- Nähe
- bekannte Bezugspersonen
- schrittweise Distanz
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Hier ist Elternarbeit entscheidend:
- gemeinsam beobachten
- gemeinsam entscheiden
- gemeinsam Tempo bestimmen
Nicht das Kind muss sich anpassen – sondern der Rahmen.
Trainerrolle respektieren – auch wenn es schwerfällt
Ein sensibler Punkt:
Eltern kennen ihr Kind sehr gut.
Trainer:innen kennen den Sport und die Gruppendynamik.
Beides ist wichtig.
Aber beides ist nicht dasselbe.
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Wenn Eltern:
- permanent korrigieren
- Trainerentscheidungen infrage stellen
- ihr Kind aus dem Spiel nehmen
- Sonderregeln einfordern
entsteht Unsicherheit – für alle.
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Erfolgreiche Elternarbeit bedeutet:
- Vertrauen
- Austausch
- Respekt für professionelle Rolle
Empathie ist keine Einbahnstraße
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Trainer:innen brauchen:
- Verständnis für familiäre Situationen
- Geduld
- offene Kommunikation
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Eltern brauchen:
- Verständnis für Gruppendynamik
- klare Grenzen
- ehrliche Rückmeldungen
Inklusion gelingt dort, wo beide Seiten zuhören.
Klare Absprachen verhindern Konflikte
Bewährt haben sich klare Regeln, z. B.:
- Wer ist während des Trainings ansprechbar?
- Wie wird mit Überforderung umgegangen?
- Wann wird eingegriffen?
- Wer entscheidet im Zweifel?
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Das schützt:
- Kinder
- Trainer:innen
- Eltern
- die gesamte Gruppe
Fazit
Elternarbeit entscheidet nicht über Details.
Sie entscheidet über Stabilität, Vertrauen und Nachhaltigkeit.
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Inklusiver Fußball braucht:
- engagierte Eltern
- klare Rollen
- gegenseitigen Respekt
Nicht perfekt. Aber verlässlich.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir, die Ibbenbürener Kickers, teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.