Struktur ist kein Widerspruch zu Menschlichkeit
„Bei Inklusion muss man flexibel sein.“
Das stimmt.
Aber Flexibilität ohne Orientierung führt nicht zu Teilhabe – sondern zu Unsicherheit.
Und Unsicherheit ist einer der größten Gegenspieler von Inklusion.
Der häufigste Irrtum über Regeln
Rund um inklusiven Fußball hält sich ein Missverständnis hartnäckig:
- Regeln seien ausgrenzend
- Regeln seien leistungsorientiert
- Regeln stünden im Widerspruch zu Empathie
Die Praxis zeigt das Gegenteil.
Gerade im inklusiven Kontext sind Regeln kein Machtinstrument, sondern ein Schutzraum.
Was Regeln im inklusiven Fußball wirklich leisten
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Gut gesetzte Regeln:
- geben Orientierung
- schaffen Sicherheit
- schützen schwächere Spieler:innen
- entlasten Trainer:innen
- verhindern Eskalationen, bevor sie entstehen
Regeln ersetzen keine Empathie.
Sie ermöglichen sie erst.
Welche Regeln im inklusiven Fußball entscheidend sind
Nicht jede Regel muss starr sein – aber jede Regel muss klar, verständlich und verlässlich sein.
1. Umgangston auf und neben dem Platz
- respektvolle Sprache
- kein Anschreien, kein Bloßstellen
- Vorbildfunktion von Trainer:innen und Eltern
Gerade Spieler:innen mit emotionaler Sensibilität reagieren stark auf Tonfall und Körpersprache.
2. Einsatzzeiten & Rollen
- transparente Absprachen
- keine spontanen Benachteiligungen
- klare Kommunikation, wer wann warum spielt
Unklarheit erzeugt Frust – auf allen Seiten.
3. Umgang mit Überforderung
- klare Signale für Pausen
- kein Zwang zum „Durchziehen“
- Möglichkeit, sich zurückzuziehen
Überforderung ist kein Fehlverhalten. Sie ist ein Signal.
4. Rolle der Eltern
- Unterstützung statt Einmischung
- keine Anweisungen von außen
- Vertrauen in die Trainerarbeit
Ohne klare Regeln geraten Trainer:innen schnell zwischen alle Fronten.
5. Verantwortung der Trainer:innen
- ruhige Führung
- klare Entscheidungen
- Schutz aller Beteiligten
Trainer:innen sind im inklusiven Fußball weniger Taktikgeber – sondern Moderatoren von Vielfalt.
6. Konsequenzen bei Grenzüberschreitungen
- transparent
- verhältnismäßig
- konsequent
Grenzen nicht zu benennen, ist keine Empathie. Es ist Verantwortungslosigkeit.
Warum besonders sensible Spieler:innen Regeln brauchen
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Spieler:innen mit:
- Autismus
- geistigen Einschränkungen
- emotionaler Instabilität
- hoher Reizsensibilität
profitieren besonders von klaren Strukturen.
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Sie wissen:
- was erwartet wird
- was erlaubt ist
- was nicht passiert
Regeln geben Halt – nicht Druck.
Was passiert, wenn Regeln fehlen
In der Praxis erleben wir ohne klare Regeln häufig:
- Überforderung eskaliert
- Eltern greifen ein
- Trainer:innen werden zerrieben
- Konflikte werden persönlich
- Inklusion scheitert leise
Nicht aus böser Absicht.
Sondern aus fehlender Struktur.
Struktur ist kein Kontrollinstrument
Struktur ist ein Schutzraum
Regeln im inklusiven Fußball dienen nicht dazu, Menschen zu kontrollieren.
Sie dienen dazu, alle mitzunehmen.
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Sie schützen:
- Spieler:innen
- Trainer:innen
- Eltern
- das Miteinander
Unsere Erfahrung
Regeln funktionieren nur, wenn sie:
- erklärt werden
- für alle gelten
- empathisch durchgesetzt werden
- regelmäßig reflektiert werden
Inklusion braucht Herz.
Aber ohne Struktur verliert sie ihre Wirkung.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir, die Ibbenbürener Kickers, teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.