Raum geben, nicht bremsen
Inklusion bedeutet nicht nur, gemeinsam Fußball zu spielen.
Inklusion bedeutet, Menschen mit ihren Emotionen ernst zu nehmen.
Gerade im inklusiven Sport treffen unterschiedliche Lebensrealitäten aufeinander:
- Menschen mit hoher Sensibilität
- Spieler:innen mit Autismus oder ADHS
- Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam
- Menschen mit emotionalen Belastungen oder psychischen Erkrankungen
Emotionen sind hier keine Ausnahme, sondern Alltag.
Warum Emotionen im inklusiven Sport eine zentrale Rolle spielen
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Im Regelfußball werden Emotionen oft:
- kontrolliert
- sanktioniert
- weggedrückt
Im inklusiven Sport funktioniert das nicht.
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Hier gilt:
- Emotionen sind Ausdruck von Teilhabe
- Emotionen zeigen, dass Menschen sich trauen
- Emotionen sind oft der einzige Kommunikationskanal
Wer Emotionen unterdrückt, schließt Menschen aus.
Welche Emotionen häufig auftreten
Freude & Euphorie
- nach einem Tor
- nach einer gelungenen Aktion
- nach Anerkennung
Diese Freude ist oft intensiver als im Regelsport – und absolut ehrlich.
Frust & Enttäuschung
- wenn etwas nicht gelingt
- wenn Überforderung entsteht
- wenn Vergleiche gezogen werden
Frust ist kein Fehlverhalten.
Frust ist ein Signal.
Überforderung & Rückzug
- Reizüberflutung
- laute Hallen
- viele Anweisungen
- unklare Situationen
Manche Spieler:innen ziehen sich zurück, andere reagieren laut oder impulsiv.
Beides ist legitim.
Autismus, ADHS & emotionale Besonderheiten
Autismus & Hochsensibilität
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Mögliche Herausforderungen:
- Reizüberflutung
- unklare Abläufe
- spontane Veränderungen
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Was hilft:
- feste Strukturen
- klare, ruhige Kommunikation
- feste Bezugspersonen
- Pausen ohne Rechtfertigung
Teilhabe heißt hier nicht „mitmachen müssen“, sondern dabei sein dürfen.
ADHS
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Mögliche Stärken:
- Energie
- Kreativität
- Spontanität
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Herausforderungen:
- Impulsivität
- Regelgrenzen
- emotionale Schwankungen
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Was hilft:
- kurze, klare Anweisungen
- Bewegung statt ständiger Korrektur
- positives Verstärken
- Lob für Selbstregulation
Die Rolle der Trainer:innen
Trainer:innen im inklusiven Sport sind keine Emotionskontrolleure.
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Sie sind:
- Übersetzer:innen
- Begleiter:innen
- Schutzpersonen
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Wichtig ist:
- Emotionen benennen, nicht bewerten
- Situationen entschärfen, nicht eskalieren
- Pausen erlauben, ohne Druck
- Grenzen setzen, ohne zu beschämen
Ein ruhiger Trainer wirkt stärker als jede Taktik.<7p>
Wenn Emotionen eskalieren
Nicht jede Situation lässt sich vermeiden.
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Dann gilt:
- Ruhe bewahren
- Spieltempo rausnehmen
- Einzelgespräche statt Bloßstellung
- Sicherheit für alle herstellen
Eskalation ist kein Scheitern – sondern ein Moment, der Führung braucht.
Unsere Haltung bei den Ibbenbürener Kickers
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Wir glauben:
- Emotionen gehören dazu
- Emotionen sind kein Makel
- Emotionen machen Gemeinschaft erst echt
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Deshalb schaffen wir Räume:
- in denen geweint werden darf
- in denen gelacht wird
- in denen Frust sein darf
- in denen niemand „funktionieren“ muss
So entsteht Vertrauen.
Und Vertrauen ist die Grundlage jeder Inklusion.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.