Warum Fairness im inklusiven Fußball aktiv gestaltet werden muss
Wie Haltung, Struktur und Timing Spiele schützen – und Gemeinschaft bewahren
Fairness ist im inklusiven Fußball kein Selbstläufer.
Je größer die Vielfalt auf dem Feld, desto größer die Verantwortung aller Beteiligten.
Unterschiedliche Voraussetzungen treffen aufeinander:
- körperlich
- emotional
- kognitiv
- sozial
Ohne bewusste Steuerung kippt Fairness nicht laut – sie kippt schleichend.
Wann Konflikte zur Eskalation werden
Nicht jeder Konflikt ist problematisch.
Problematisch wird es, wenn Konflikte nicht erkannt oder ignoriert werden.
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Typische Eskalationspfade:
- steigende Lautstärke
- hektisches Spieltempo
- zunehmende Fouls
- verbale Spitzen
- Rückzug einzelner Spieler:innen
- Tränen, Wut, Überforderung
Spätestens hier ist Führung gefragt – nicht später.
Eskalationsmanagement beginnt vor dem Anpfiff
Ein zentraler Fehler:
Eskalationsmanagement erst im Spiel zu denken.
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In der Praxis beginnt es:
- bei der Trainerbesprechung
- bei der klaren Rollenverteilung
- bei der Haltung gegenüber Ergebnissen
- bei der Vorbereitung der Helferspieler:innen
Wer Eskalationen verhindern will, muss sie vorwegdenken.
Klare Haltung vor dem Spiel
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Bewährt hat sich:
- klare Ansprache an das eigene Team
- Erwartungshaltung definieren
- Fairness explizit benennen
- Rücksicht als Stärke erklären
Spieler:innen orientieren sich nicht an Regeln – sie orientieren sich an Haltung.
Wenn Fairness im Spiel verloren geht
Es gibt Situationen, in denen ein Spiel formal korrekt wirkt – aber faktisch unfair wird.
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Zum Beispiel wenn:
- körperlich überlegene Spieler dominant auftreten
- Helferspieler Spiele entscheiden
- schwächere Spieler:innen kaum Ballkontakte haben
- Tempo und Intensität nicht angepasst werden
Hier braucht es aktive Korrektur, nicht Abwarten.
Deeskalation ist keine Schwäche
Ein häufiger Irrtum:
Deeskalation sei Nachgeben.
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In Wahrheit ist Deeskalation:
- Führungsstärke
- Verantwortungsbewusstsein
- Schutz der Gemeinschaft
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Deeskalation bedeutet:
- Spieltempo bewusst reduzieren
- Positionen anpassen
- Rollen neu verteilen
- einzelne Spieler:innen schützen
- emotionale Spitzen abfangen
Nicht alles muss sofort „gelöst“ werden – aber alles muss geführt werden.
Eskalation erkennen – bevor sie sichtbar wird
Erfahrene Trainer:innen erkennen Eskalationen früh an:
- Körpersprache
- Unruhe
- Blickkontaktverlust
- zunehmender Frust einzelner Spieler:innen
- Rückzug oder Überaktivität
Je früher eingegriffen wird, desto kleiner bleibt der Konflikt.
Grenzen setzen – ruhig, klar, ohne Bühne
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Wenn Grenzen überschritten werden:
- ruhig bleiben
- nicht diskutieren
- nicht bloßstellen
- konsequent handeln
Wichtig:
Eskalationen dürfen nicht öffentlich aufgeblasen werden.
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Klare Ansagen wirken am besten:
- sachlich
- kurz
- ohne Schuldzuweisung
- ohne Emotion
Unsere Haltung bei den Ibbenbürener Kickers
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Unsere Erfahrung zeigt:
- Fairness entsteht durch Vorleben
- Konfliktlösung braucht Mut
- Eskalationsmanagement braucht Timing
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Wir akzeptieren:
- Vielfalt bringt Reibung
- Reibung ist kein Fehler
- Eskalation ist vermeidbar
Unser Maßstab ist nicht das Ergebnis, sondern das, was Menschen mit nach Hause nehmen.
Warum dieser Umgang inklusiven Fußball schützt
Richtig gesteuertes Konflikt- und Eskalationsmanagement:
- schützt schwächere Spieler:innen
- entlastet Trainer:innen
- erhält Spielfreude
- stärkt Gemeinschaft
- macht Inklusion dauerhaft möglich
Ohne diese Führung wird Inklusion fragil.
Mit ihr wird sie tragfähig.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.