Kommunikation ist kein Nebenthema
Warum Sprache, Gesten und Tonfall über Teilhabe entscheiden
Im inklusiven Fußball entscheidet nicht nur, was gespielt wird – sondern wie miteinander gesprochen wird.
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Kommunikation steuert:
- Sicherheit
- Zugehörigkeit
- Orientierung
- emotionale Stabilität
Und sie entscheidet oft darüber, ob Inklusion gelingt oder scheitert – leise, aber spürbar.
Warum Kommunikation im inklusiven Fußball besonders sensibel ist
Auf einem inklusiven Spielfeld treffen sehr unterschiedliche Voraussetzungen aufeinander:
- Menschen mit Autismus oder Hochsensibilität
- Spieler:innen mit ADHS
- Spieler:innen mit geistigen Einschränkungen
- Kinder, Erwachsene, Senior:innen
- Spieler:innen mit Hilfsmitteln
- Helferspieler:innen ohne Handicap
Alle nehmen Sprache, Lautstärke, Körpersprache und Reize unterschiedlich wahr.
Was für den einen motivierend ist,
kann für den anderen überfordernd oder verletzend sein.
Typische Kommunikationsfehler aus der Praxis
Viele Probleme entstehen nicht durch böse Absicht, sondern durch Unwissen.
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Häufige Fehler:
- lautes Anbrüllen über das ganze Feld
- ironische Kommentare („Das war ja klar…“)
- hektische Daueranweisungen
- Korrekturen in Stresssituationen
- unklare oder widersprüchliche Kommandos
Gerade für Spieler:innen mit Autismus, ADHS oder emotionaler Belastung führen solche Situationen schnell zu:
- Rückzug
- Überforderung
- emotionalen Ausbrüchen
- völliger Blockade
Was gute Kommunikation auszeichnet
Gute Kommunikation im inklusiven Fußball ist:
- klar statt laut
- ruhig statt hektisch
- konkret statt abstrakt
- ermutigend statt bewertend
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Beispiele aus der Praxis:
- „Bleib hier bei mir.“
- „Du hast Zeit.“
- „Gut gesehen.“
- „Nächster Ball gehört dir.“
Kurze, eindeutige Aussagen schaffen Orientierung – besonders in Bewegung.
Die Rolle von Gestik und Körpersprache
Nicht jede Kommunikation muss verbal sein.
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Gerade bei:
- Reizüberflutung
- Sprachbarrieren
- Stressmomenten
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wirken:
- Blickkontakt
- offene Körperhaltung
- Handzeichen
- Nähe ohne Bedrängung
oft stärker als Worte.
Ein ruhiges Zeichen kann mehr Sicherheit geben als zehn Anweisungen.
Kommunikation zwischen Spieler:innen
In gut funktionierenden inklusiven Teams übernehmen Spieler:innen Verantwortung füreinander.
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Man hört dann Sätze wie:
- „Ich bin frei.“
- „Du schaffst das.“
- „Ich helfe dir.“
Diese Kommunikation entsteht nicht zufällig.
Sie ist trainierbar – durch Vorleben, nicht durch Ansagen.
Trainer:innen als Kommunikationsvorbild
Trainer:innen prägen die Kommunikationskultur stärker als jede Regel.
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Wenn Trainer:innen:
- respektvoll sprechen
- ruhig bleiben
- erklären statt schimpfen
- Fehler normalisieren
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überträgt sich das direkt auf:
- Helferspieler:innen
- Kinder
- Eltern
- das gesamte Umfeld
Kommunikation ist Haltung in hörbarer Form.
Unsere Erfahrung bei den Ibbenbürener Kickers
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Wir arbeiten bewusst an Kommunikation:
- im Training
- vor Turnieren
- in ruhigen Momenten
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Wir erklären:
- warum wir leise bleiben
- warum wir nicht schreien
- warum wir Fehler zulassen
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Das Ergebnis:
- entspannte Atmosphäre
- weniger Eskalationen
- mehr Beteiligung
- ehrliche Freude
Kommunikation wird bei uns nicht dem Zufall überlassen.
Fazit
Inklusiver Fußball ist laut, lebendig, emotional – aber nicht rücksichtslos.
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Wer bewusst kommuniziert,
- schützt Teilhabe
- stärkt Gemeinschaft
- verhindert Konflikte
Und genau das macht den Unterschied
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.
Einordnung & Weiterführendes
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