Wenn Sorge, Erwartungen und Kontrolle die Zusammenarbeit belasten
Im inklusiven Fußball begegnen Trainer:innen früher oder später Eltern, die als „schwierig“ wahrgenommen werden.
Fast immer steckt dahinter keine böse Absicht, sondern Angst, Überforderung oder der Wunsch, das eigene Kind zu schützen.
Dieser Beitrag zeigt, wie man professionell, empathisch und klar mit solchen Situationen umgeht – ohne Fronten aufzubauen.
Wann Eltern als „schwierig“ wahrgenommen werden
Typische Situationen aus der Praxis:
- ständige Einmischung ins Training
- Kommentare vom Spielfeldrand
- Infragestellen von Entscheidungen
- Vergleiche mit anderen Kindern
- Forderung nach Sonderbehandlung
- Misstrauen gegenüber Trainer:innen
Wichtig:
Schwierig ist nicht der Mensch – schwierig ist oft die Situation.
Die Ursachen verstehen, bevor man reagiert
Hinter herausforderndem Verhalten stehen häufig:
- Angst um Sicherheit oder Entwicklung
- negative Vorerfahrungen mit Ausgrenzung
- Unsicherheit im Umgang mit dem eigenen Kind
- fehlendes Vertrauen in Strukturen
- Überforderung im Alltag
Wer diese Ursachen erkennt, reagiert ruhiger – und wirksamer.
Klare Rollen schaffen Sicherheit
Im inklusiven Fußball müssen Rollen eindeutig sein:
- Trainer:innen steuern Training und Spiel
- Eltern begleiten, unterstützen und sichern ab
- Kinder und Jugendliche stehen im Mittelpunkt
Wichtig ist:
Eltern dürfen Wünsche äußern – aber keine Entscheidungen übernehmen.
Gespräch statt Konfrontation
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Bewährt hat sich:
- Gespräche nicht am Spielfeldrand
- Gespräche nicht während Training oder Turnier - Termin abstimmen
- ruhiger Rahmen ohne Zeitdruck
- Ich-Botschaften statt Vorwürfe
- Zuhören, bevor erklärt wird
Beispiel:
„Ich merke, dass Sie sich Sorgen machen. Lassen Sie uns gemeinsam schauen, was Ihrem Kind gerade hilft.“
Grenzen setzen – respektvoll und konsequent
Empathie schließt Klarheit nicht aus.
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Grenzen sind nötig, wenn:
- andere Kinder beeinträchtigt werden
- Trainer:innen ihre Arbeit nicht mehr ausüben können
- das Teamklima leidet
Konsequenz bedeutet nicht Härte – sondern Verlässlichkeit.
Wenn Eltern Teil des Spiels werden
In vielen inklusiven Teams spielen Eltern zeitweise mit – bewusst.
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Dann gilt:
- gleiche Regeln für alle
- keine Sonderrolle
- Vorbildfunktion
Das kann Nähe schaffen – wenn die Rollen klar bleiben.
Wann externe Unterstützung sinnvoll ist
Manchmal reichen Gespräche nicht aus.
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Dann helfen:
- Moderation durch Vereinsverantwortliche
- klare Absprachen in schriftlicher Form
- zeitweise Trainingspausen
- im Extremfall: Trennung zum Schutz der Gruppe
Auch das ist Verantwortung – nicht Scheitern.
Unsere Haltung
Gelingende Elternarbeit heißt nicht, es allen recht zu machen.
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Sie heißt:
- zuhören
- erklären
- begleiten
- Grenzen setzen
So entsteht ein Umfeld, in dem Kinder bleiben – und Eltern Vertrauen entwickeln können.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.