Wenn Spannungen entstehen – und wie man sie fair, ruhig und lösungsorientiert auflöst
Warum Konflikte im inklusiven Fußball unvermeidlich sind
Inklusiver Fußball ist vielfältig.
Und Vielfalt bedeutet auch: unterschiedliche Grenzen, Wahrnehmungen, Belastungen und Erwartungen.
Konflikte entstehen nicht, weil Inklusion scheitert – sondern weil sie ernsthaft gelebt wird.
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Typische Auslöser sind:
- Leistungsunterschiede
- Überforderung einzelner Spieler:innen
- emotionale Ausbrüche
- Missverständnisse zwischen Teams
- Unsicherheit bei Trainer:innen oder Eltern
Entscheidend ist nicht der Konflikt selbst, sondern der Umgang damit.
Konflikt ist nicht gleich Fehlverhalten
Ein zentraler Irrtum:
Jede Eskalation wird sofort als Unsportlichkeit bewertet.
In der Praxis ist das zu kurz gedacht.
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Konflikte können entstehen durch:
- Reizüberflutung (z. B. bei Autismus)
- Frustration bei fehlender Ballbeteiligung
- Angst vor Fehlern
- Überforderung durch Tempo oder Lautstärke
- fehlende Orientierung im Spiel
Nicht jede Grenzüberschreitung ist böser Wille.
Aber jede Grenzüberschreitung braucht klare Reaktion.
Die Rolle der Trainer:innen im Konfliktmanagement
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Trainer:innen sind im inklusiven Fußball:
- weniger Schiedsrichter
- weniger Antreiber
- mehr Moderator:innen
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Ihre Aufgaben im Konfliktfall:
- früh wahrnehmen
- ruhig bleiben
- Tempo rausnehmen
- Sicherheit herstellen
- nicht eskalieren
Wichtig:
Konflikte niemals ignorieren – aber auch nicht öffentlich dramatisieren.
Was Trainer:innen konkret tun können
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Bewährt aus der Praxis:
- Spiel kurz unterbrechen, bevor Emotionen hochkochen
- ruhig ansprechen, nicht belehren
- einzelne Spieler:innen gezielt aus der Situation nehmen
- klare, kurze Ansagen statt lange Diskussionen
- Verantwortung übernehmen, nicht delegieren
Konfliktlösung beginnt auf dem Feld, nicht erst danach.
Konflikte zwischen Spieler:innen – besonders sensibel
Im inklusiven Fußball treffen Menschen aufeinander mit:
- unterschiedlichen körperlichen Möglichkeiten
- emotionalen Belastungen
- kognitiven Einschränkungen
- Hilfsmitteln wie Rollstuhl, Prothese oder Gehhilfe
Hier gilt:
Nicht jeder Zweikampf ist fair – auch wenn er regelkonform wirkt.
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Trainer:innen müssen:
- Zweikämpfe bewusst entschärfen
- Rücksicht einfordern
- Helferspieler gezielt einsetzen
- schwächere Spieler:innen schützen, ohne sie zu isolieren
Wenn Konflikte von außen kommen
Nicht alle Konflikte entstehen auf dem Platz.
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Auch belastend:
- Zwischenrufe von Eltern
- Einmischung von Betreuer:innen
- Unruhe am Spielfeldrand
- unsachliche Diskussionen zwischen Teams
Hier braucht es klare Zuständigkeiten:
- Wer spricht?
- Wer entscheidet?
- Wer schützt das Spiel?
Konfliktmanagement heißt auch:
den Raum um das Spielfeld zu führen.
Deeskalation statt Durchgreifen
Im inklusiven Fußball gilt:
Nicht jede Situation braucht Sanktionen.
Aber jede Situation braucht Haltung.
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Deeskalation bedeutet:
- zuhören
- ernst nehmen
- Tempo reduzieren
- Alternativen anbieten
- klare Grenzen kommunizieren
Manchmal ist eine kurze Pause sinnvoller als jede Ermahnung.
Unsere Haltung bei den Ibbenbürener Kickers
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Wir glauben:
- Konflikte sind Lernmomente
- Sicherheit geht vor Ergebnis
- Teilhabe geht vor Rechthaben
- Ruhe ist Führungsstärke
Wir bereiten unsere Spieler:innen darauf vor, dass Konflikte dazugehören – und zeigen ihnen, wie man fair damit umgeht.
So entsteht Vertrauen.
Und genau das trägt inklusiven Fußball.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.