Zwischen Überforderung, Schutz und klaren Grenzen
Inklusiver Fußball lebt von Respekt, Rücksicht und gegenseitiger Unterstützung. Doch auch hier kommt es vor, dass einzelne Spieler:innen durch ihr Verhalten das Spiel, die Stimmung oder sogar die Sicherheit anderer gefährden.
Wichtig ist:
Unsportliches Verhalten im inklusiven Fußball ist selten böse Absicht – aber immer eine Verantwortungssituation für Trainer:innen, Betreuer:innen und Mitspieler:innen.
Unsportliches Verhalten ist nicht immer bewusst
Im inklusiven Fußball treffen Menschen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen aufeinander:
- körperliche Einschränkungen
- geistige Beeinträchtigungen
- emotionale Belastungen
- neurodiverse Wahrnehmungen (z. B. Autismus, ADHS)
- Spieler:innen ohne Handicap
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Unsportliches Verhalten entsteht häufig aus:
- Überforderung
- fehlender Impulskontrolle
- Reizüberflutung
- Frustration oder Missverständnissen
- fehlender Spielstruktur
Gerade deshalb braucht es mehr Fingerspitzengefühl als im Regelbetrieb.
Formen unsportlichen Verhaltens auf dem Spielfeld
In der Praxis zeigen sich problematische Situationen unter anderem durch:
- rücksichtsloses Zweikampfverhalten
- wiederholtes Foulspiel ohne Einsicht
- Schubsen, Kneifen, Nachtreten
- Beschimpfungen oder Provokationen
- Missachtung klarer Absprachen
- gefährliche Nutzung von Hilfsmitteln (z. B. Prothesen, Gehhilfen)
All das kann – unabhängig von der Ursache – andere Spieler:innen verunsichern oder verletzen.
Wenn körperliche Unterschiede zu Risiken werden
Inklusiver Fußball bedeutet Vielfalt – aber keine Gleichgültigkeit gegenüber Sicherheit.
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Beispiele aus der Praxis:
- kräftige Spieler:innen gegen deutlich kleinere oder schmächtigere Mitspieler:innen
- Rollstuhlfahrer:innen, die unbeabsichtigt in Füße oder Beine fahren
- Spieler:innen mit Prothesen oder Schienen im unkontrollierten Zweikampf
- schnelle, technisch starke Spieler:innen, die das Spiel dominieren
Hier gilt:
Rücksicht ist keine Schwäche, sondern Teil der Spielkultur.
Emotionale und kognitive Überforderung ernst nehmen
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Gerade bei Spieler:innen mit:
- Autismus
- ADHS
- Traumata
- emotionalen oder psychischen Belastungen
können Reize, Lautstärke, Nähe oder Druck zu impulsivem Verhalten führen.
Das bedeutet nicht, dass diese Spieler:innen „problematisch“ sind – sondern dass sie Begleitung, Struktur und Schutzräume brauchen.
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Hilfreiche Maßnahmen:
- klare Rollen auf dem Feld
- kurze Spielphasen
- feste Ansprechpartner:innen
- begleitende Helferspieler:innen
- ruhige Kommunikation statt Zurufe
Die Rolle der Mitspieler:innen
Ein zentraler Erfolgsfaktor im inklusiven Fußball ist die gegenseitige Verantwortung im Team.
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Gelebte Praxis:
- stärkere Spieler:innen bremsen bewusst ihr Tempo
- Mitspieler:innen coachen ruhig statt zu kritisieren
- schwächere Spieler:innen werden aktiv eingebunden
- Erfolge werden gemeinsam ermöglicht
Diese Kultur entsteht nicht von selbst – sie wird trainiert, vorgelebt und eingefordert.
Wann Eingreifen notwendig ist
So viel Verständnis wichtig ist:
Es gibt Situationen, in denen klare Grenzen gesetzt werden müssen.
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Dazu zählen:
- wiederholte Gefährdung anderer
- fehlende Einsicht trotz Erklärung
- Eskalation von Emotionen
- spürbare Angst bei Mitspieler:innen
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Maßnahmen können sein:
- kurze Spielpause
- Wechsel oder Positionsanpassung
- begleitete Auszeit
- ruhiges Gespräch außerhalb des Spielfelds
Ziel ist nie Strafe – sondern Schutz und Stabilisierung.
Haltung statt Wegsehen
Unsportliches Verhalten zu ignorieren hilft niemandem. Genauso wenig helfen harte Sanktionen ohne Erklärung.
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Inklusiver Fußball braucht:
- klare Regeln
- empathische Führung
- konsequente, ruhige Entscheidungen
Nur so entsteht ein Umfeld, in dem alle sicher spielen können – unabhängig von Stärke, Alter oder Einschränkung.
Fazit: Verantwortung bedeutet Hinsehen
Unsportliches Verhalten von Spieler:innen ist kein Tabuthema. Es gehört zur Realität inklusiver Spielformen – und verlangt Erfahrung, Haltung und Mut zur Entscheidung.
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Wer Inklusion ernst meint, schützt:
- die Schwächeren
- die Überforderten
- und das gemeinsame Spiel.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir, die Ibbenbürener Kickers, teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.