Ein anderes Verständnis von Führung
Warum Trainer:innen mehr Moderator:innen als Taktikgeber:innen sind
Im inklusiven Fußball reicht klassische Trainerarbeit nicht aus.
Wer hier nur Aufstellungen plant, Laufwege erklärt und Ergebnisse im Blick hat, wird scheitern – oft leise, aber nachhaltig.
Die Trainerrolle verändert sich grundlegend:
- weniger Kontrolle
- mehr Beobachtung
- weniger Eingreifen
- mehr Moderation
Trainer:innen im inklusiven Fußball führen Menschen, nicht Systeme.
Warum klassische Trainerlogik hier an Grenzen stößt
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Im Regelfußball gilt:
- Leistung entscheidet
- Wettbewerb ist das Ziel
- Gleiches Training für alle
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Im inklusiven Fußball gilt:
- Teilhabe entscheidet
- Sicherheit ist Voraussetzung
- Unterschiedlichkeit ist Realität
Ein Trainer, der versucht, diese Vielfalt mit klassischen Maßstäben zu steuern, erzeugt:
- Überforderung
- Frust
- Rückzug einzelner Spieler:innen
- Konflikte mit Eltern und Teams
Nicht aus böser Absicht – sondern aus falschem Rollenverständnis.
Die Rolle als Moderator: Was das konkret bedeutet
Ein inklusiver Trainer moderiert Situationen, statt sie zu dominieren.
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>Das heißt:
- er beobachtet Dynamiken auf dem Feld
- erkennt Überforderung frühzeitig
- steuert Tempo und Intensität
- greift ein, bevor Konflikte eskalieren
- erklärt Entscheidungen transparent
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Er ist:
- Ansprechpartner
- Übersetzer zwischen Bedürfnissen
- Schutzinstanz für Schwächere
- Orientierungspunkt für Starke
Nicht laut – sondern klar.
Moderation statt Taktik: Praxisbeispiele
Einige typische Situationen aus der Praxis:
- Ein starkes Team zieht davon
→ Trainer bremst bewusst, statt weiter anzutreiben - Ein Spieler zieht sich zurück
→ Trainer ermöglicht Teilhabe, statt Leistung einzufordern - Emotionen kochen hoch
→ Trainer schafft Abstand, statt zu bestrafen - Eltern werden unruhig
→ Trainer erklärt Haltung, statt sich zu rechtfertigen
Das Ziel ist nie, alle zufriedenzustellen.
Das Ziel ist, das System Inklusion zu schützen.
Warum Zurückhaltung eine aktive Trainerleistung ist
Viele unterschätzen, wie anspruchsvoll Zurückhaltung ist.
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Nicht einzugreifen,
- obwohl man könnte
- obwohl man es besser weiß
- obwohl Ergebnisse möglich wären
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erfordert:
- Erfahrung
- innere Ruhe
- klare Werte
- Vertrauen in den Prozess
Im inklusiven Fußball ist Zurückhaltung kein Kontrollverlust – sie ist bewusste Führung.
Die besondere Verantwortung gegenüber Helferspielern
Trainer:innen tragen eine Schlüsselrolle bei der Steuerung von Helferspielern.
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Sie müssen:
- Rollen klar definieren
- Erwartungen offen ansprechen
- Grenzen setzen
- Zurücknehmen einfordern
Ohne klare Moderation kippt das Spiel:
- Teilhabe wird zur Nebensache
- Ergebnisse rücken in den Fokus
- Inklusion verliert ihre Glaubwürdigkeit
Gute Trainer erkennen:
Helferspieler brauchen Führung – nicht Freiraum ohne Rahmen.
Unsere Haltung bei den Ibbenbürener Kickers
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Bei uns gilt:
- Trainer:innen sind Gastgeber auf dem Platz
- sie schaffen sichere Räume
- sie moderieren Vielfalt
- sie schützen Gemeinschaft
Erfolge messen wir nicht an Tabellen,
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sondern an:
- leuchtenden Augen
- wiederkehrenden Spieler:innen
- Vertrauen von Eltern
- respektvollem Miteinander
So entsteht nachhaltige Inklusionsarbeit – Woche für Woche.
Fazit
Inklusiver Fußball braucht Trainer:innen,
- die zuhören können
- die steuern, ohne zu dominieren
- die führen, ohne zu kontrollieren>
Wer bereit ist, diese Rolle anzunehmen, wird erleben, wie aus Fußball Gemeinschaft wird.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.
Einordnung & Weiterführendes
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