Inklusion heißt: viele Menschen, viele Fähigkeiten, viele Bedürfnisse – auf einem Spielfeld.
Genau das macht inklusiven Fußball wertvoll.
Und genau das macht Sicherheit zu einer zentralen Aufgabe von Trainer:innen und Vereinen.
Sicherheit im inklusiven Training bedeutet nicht, Risiken zu vermeiden, sondern mit Verantwortung zu steuern.
Warum Sicherheit im inklusiven Training anders gedacht werden muss
Im Regelfußball gelten meist ähnliche Voraussetzungen:
- vergleichbares Leistungsniveau
- ähnliche körperliche Fähigkeiten
- gleiche Regeln für alle
Im inklusiven Fußball ist das anders.
Auf dem Platz stehen möglicherweise:
- Spieler:innen mit Rollstuhl, Rollator oder Prothese
- Kinder und Erwachsene gemeinsam
- Menschen mit Autismus, ADHS oder hoher Sensibilität
- Spieler:innen mit Übergewicht oder motorischen Einschränkungen
- Anfänger:innen neben sehr talentierten Spieler:innen
Hier reicht „normales Training“ nicht aus.
Wo echte Risiken entstehen
Gefährlich wird inklusiver Fußball nicht durch Behinderung, sondern durch:
- Übermotivation
- fehlende Steuerung
- Leistungsdenken
- Unwissen über Unterschiede
- fehlende Kommunikation
Ein intensiver Zweikampf ist im Regelfußball normal.
Im inklusiven Fußball kann er zur Verletzungsquelle werden.
Sicherheit beginnt vor dem ersten Pass
Klare Rahmenbedingungen
Sicherheit entsteht durch Struktur:
- klare Trainingsregeln
- bekannte Abläufe
- verständliche Erklärungen
- Wiederholungen
Gerade Spieler:innen mit Autismus oder emotionaler Instabilität brauchen Vorhersehbarkeit.
Angepasstes Tempo statt voller Intensität
Nicht jede Trainingsform passt für alle.
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Trainer:innen müssen:
- Tempo bewusst steuern
- Intensität variieren
- Pausen zulassen
- Übungen anpassen
Sicherheit heißt auch: Überforderung früh erkennen.
Körperliche Einschränkungen & Hilfsmittel
Rollstuhl, Prothese, Gehhilfe oder Schiene verändern:
- Bewegungsabläufe
- Zweikampfsituationen
- Sturz- und Verletzungsrisiken
Trainer:innen tragen hier besondere Verantwortung:
- keine unkontrollierten Grätschen
- keine harten Zweikämpfe
- klare Zonen und Abstände
- kein Leistungsdruck
Nicht aus Angst – sondern aus Respekt.
Emotionale Sicherheit ist genauso wichtig
Sicherheit ist nicht nur körperlich.
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Viele Spieler:innen erleben:
- Reizüberflutung
- Stress
- Angst zu versagen
- Rückzug oder Überreaktionen
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Ein sicheres Training bedeutet:
- ruhige Ansprache
- klare Signale
- keine Bloßstellung
- Verständnis für emotionale Ausbrüche
Nicht jedes Verhalten ist böser Wille. Oft ist es ein Hilferuf.
Die Rolle der Trainer:innen
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Trainer:innen im inklusiven Fußball sind:
- Moderator:innen
- Beobachter:innen
- Schutzpersonen
- Orientierungspunkte
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Sie entscheiden:
- wann Tempo rausgenommen wird
- wann ein Spiel unterbrochen wird
- wann Sicherheit wichtiger ist als Spielfluss
Diese Entscheidungen sind keine Schwäche, sondern Führungsstärke.
Unsere Haltung bei den Ibbenbürener Kickers
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Wir sagen klar:
- Sicherheit geht vor Ergebnis
- Teilhabe geht vor Leistung
- Verantwortung geht vor Ehrgeiz
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Deshalb:
- trainieren wir Rücksicht
- steuern wir Intensität
- sprechen wir Probleme offen an
- schützen wir Menschen, nicht Tabellen
So bleibt inklusiver Fußball das, was er sein soll:
ein sicherer Raum für Freude, Entwicklung und Gemeinschaft.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.