Viele Menschen treffen die Entscheidung, mit dem Fußball aufzuhören, nicht von heute auf morgen. Oft geht dem ein längerer Prozess voraus, in dem der Alltag sich verändert und der Fußball immer schwerer darin Platz findet. Der Wunsch zu spielen bleibt bestehen, doch die bestehenden Strukturen passen nicht mehr.
Um zu verstehen, warum Menschen den Regelbetrieb verlassen, muss man ihren Alltag und ihre Lebensphasen mitdenken.
Der Alltag verändert sich
Im Laufe des Lebens verändern sich Rahmenbedingungen:
- Schule wird anspruchsvoller
- Ausbildung oder Studium beginnen
- Arbeitszeiten wechseln
- neue Freundeskreise entstehen
- Beziehungen verändern Prioritäten
Diese Veränderungen sind normal. Der Fußballbetrieb bleibt jedoch oft gleich. Hier entsteht ein Spannungsfeld.
Zeit als entscheidender Faktor
Der Regelbetrieb im Fußball ist zeitintensiv.
Mehrere Trainingseinheiten pro Woche, feste Termine und Spiele am Wochenende lassen sich nicht immer mit dem Alltag vereinbaren.
Wer regelmäßig fehlt, gerät schnell unter Rechtfertigungsdruck. Viele Menschen ziehen dann einen klaren Schlussstrich, statt dauerhaft zwischen Verpflichtungen zu stehen.
Leistungsdruck und Erwartungen
Im klassischen Fußball sind Erwartungen klar definiert:
- Trainingsbeteiligung
- Leistungsbereitschaft
- Verlässlichkeit am Spieltag
Für manche Menschen ist das motivierend. Für andere wird es belastend. Besonders dann, wenn die eigene Leistungsfähigkeit nicht mehr konstant abrufbar ist oder der Kopf bereits mit anderen Themen gefüllt ist.
Fußball passt nicht immer zur Lebensphase
Nicht jede Lebensphase eignet sich für leistungsorientierte Strukturen.
Jugendliche, junge Erwachsene oder Menschen im Berufsleben haben oft andere zeitliche und mentale Ressourcen als noch einige Jahre zuvor.
Der Wunsch, Fußball zu spielen, bleibt. Der Rahmen passt jedoch nicht mehr.
Warum der Ausstieg oft endgültig ist
Viele Vereine kennen dieses Muster:
Ein Training wird ausgelassen. Dann ein weiteres.
Irgendwann kommt man nicht mehr zurück.
Der Ausstieg erfolgt leise, ohne Konflikt und ohne großes Gespräch.
Nicht, weil der Verein schlecht war, sondern weil es kein passendes Angebot mehr gab.
Inklusionsfußball als anderer Zugang
Inklusionsfußball kann für manche Menschen einen anderen Zugang zum Fußball bieten.
Nicht als Ersatz für den Regelbetrieb, sondern als Ergänzung.
Mit weniger Leistungsdruck, klaren, aber flexibleren Strukturen und dem Fokus auf gemeinsames Spielen kann Fußball wieder Raum im Alltag finden.
Fußball als sozialer Ort
Fußball ist mehr als Training und Spielbetrieb.
-
Er ist:
- Begegnung
- Gemeinschaft
- Austausch
Wenn Fußball wieder als sozialer Ort erlebt wird, bleiben Menschen oft länger verbunden, auch wenn sie nicht jede Woche Höchstleistung abrufen können.
Was Vereine daraus lernen können
Vereinsaustritte bedeuten nicht automatisch fehlende Bindung. Oft fehlen passende Angebote für veränderte Lebensphasen. Wer unterschiedliche Zugänge zum Fußball ermöglicht, schafft neue Räume:
- für Wiedereinsteiger
- für Menschen mit wenig Zeit
- für Spielerinnen und Spieler ohne Leistungsambitionen
Das stärkt langfristig die Vereinsgemeinschaft.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir, die Ibbenbürener Kickers, teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.