Am Samstag, den 11. April 2026, waren wir mit zehn Spielerinnen und Spielern der Ibbenbürener Kickers zu Gast in der Justizvollzugsanstalt Vechta. Anlass war ein gemeinsamer Fußballtag mit Inhaftierten – Teil eines Projekts, das Resozialisierung durch Begegnung und gemeinsames Erleben in den Mittelpunkt stellt.
Die Einladung kam von André Werneke, der sich im Vorfeld unter anderem mit Michael Wehmann abgestimmt hatte. Durch unsere Erfahrungen aus den Begegnungen mit der Justizvollzugsanstalt Hameln wussten wir bereits, worauf wir uns einlassen – entsprechend ruhig und offen war auch unsere Anreise.
Vor Ort wurde jedoch schnell deutlich: Die Atmosphäre in einer JVA unterscheidet sich spürbar von der einer Jugendanstalt. Die Rahmenbedingungen sind andere, die Lebensrealität ebenso.
Nach einer kurzen Begrüßung stellte Marcel Grabow unser Team und unsere Arbeitsweise vor. Fußball als verbindendes Element, unabhängig von Voraussetzungen, mit klaren Regeln und gegenseitigem Respekt – das ist die Basis.
Anschließend ging es direkt auf den Platz. Zunächst bildeten wir zwei Teams, um ins Spiel zu finden. Und wie so oft zeigte sich auch hier: Sobald der Ball rollt, rückt alles andere in den Hintergrund. Das Spiel war fair, intensiv und auf einem bemerkenswert guten Niveau. Unfaire Aktionen? Keine.
Nach rund 30 Minuten stellten wir die Teams neu zusammen – diesmal bewusst gemischt. Vier Mannschaften, jeder gegen jeden. Und genau hier wurde das sichtbar, worum es uns geht: gemeinsames Spiel auf Augenhöhe. Abklatschen nach gelungenen Aktionen, gegenseitiges Anfeuern, ehrlicher Applaus. Die Dynamik veränderte sich spürbar – die Spielfreude nahm zu, die Aktionen wurden mutiger, kreativer.
Auch neben dem Feld entstand etwas: Spieler, die gerade pausierten, standen zusammen, tauschten sich aus, entwickelten Taktiken für die nächsten Spiele. Es wirkte, als würden sich alle schon länger kennen.
Die Stimmung war geprägt von Respekt, Offenheit und echtem Miteinander. Genau das, was wir unter gelebter Inklusion verstehen.
Nach dem gemeinsamen Fußball folgte ein Programmpunkt, der einen ganz anderen Eindruck hinterließ: die Besichtigung der JVA. Der Wechsel hätte kaum deutlicher sein können. Eben noch Sporthalle, Bewegung, Lachen – wenige Türen weiter verschlossene Zellentrakte.
Lange Gänge, schwere Türen, kleine Sichtfenster. Räume von rund sieben Quadratmetern. Einige Inhaftierte zeigten uns ihre Zellen. Ein Moment, der bei vielen von uns nachwirkte. Die Enge, die Struktur, die Realität des Alltags – das alles wurde sehr konkret.
Im weiteren Rundgang erhielten wir Einblicke in Ausbildungs- und Arbeitsbereiche. Möglichkeiten, Schulabschlüsse nachzuholen oder handwerkliche Fähigkeiten zu erlernen – wichtige Bausteine auf dem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
Beim Abschied war schnell klar: Das war kein einmaliges Treffen. Der Wunsch nach einer Fortsetzung kam von beiden Seiten. Vielleicht beim nächsten Mal sogar mit einem gemeinsamen Grillen im Anschluss.
Für uns bleibt ein intensiver Tag – sportlich, menschlich und nachdenklich zugleich.
Und die Bestätigung, dass Fußball Türen öffnen kann, wo Worte oft nicht ausreichen.
Weiterführende Einblicke & thematisch passende Beiträge
Die Ibbenbürener Kickers engagieren sich seit vielen Jahren für einen inklusiven Fußball, der Begegnung, Teilhabe und Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt.
Die folgenden Beiträge und Hintergrundseiten geben weitere Einblicke in unsere Arbeit, unsere Haltung und unsere inklusiven Angebote.
Unsere Erfahrungen aus ähnlichen Begegnungen, unter anderem mit der Justizvollzugsanstalt Hameln, haben gezeigt, wie nachhaltig solche Formate wirken können. Umso mehr freuen wir uns, diesen Weg weiterzugehen und auch in Zukunft Begegnungen zu schaffen, die Perspektiven verändern.