Bindung ist kein Zufall – sie entsteht durch Haltung
Viele Vereine fragen sich, warum Spieler:innen, Eltern oder ganze Familien plötzlich nicht mehr kommen. Gerade im inklusiven Fußball passiert das oft leise – ohne Beschwerden, ohne Abschied, ohne Erklärung.
In unserer Erfahrung liegt der Grund selten im Sport selbst.
Er liegt fast immer in Beziehungen, Sicherheit und Haltung.
Warum Menschen bleiben
Menschen bleiben im inklusiven Fußball, wenn sie sich gesehen, respektiert und ernst genommen fühlen.
Typische Gründe, warum Spieler:innen und Familien langfristig bleiben:
Echte Teilhabe statt Dabeisein
- Spielzeit für alle
- Erfolgsmomente auch für schwächere Spieler:innen
- kein Gefühl, „im Weg zu stehen“
Emotionale Sicherheit
- keine Angst vor Bloßstellung
- kein permanenter Leistungsdruck
- Fehler dürfen passieren
Verlässliche Beziehungen
- bekannte Gesichter auf und neben dem Platz
- Trainer:innen, die zuhören
- Mitspieler:innen, die unterstützen statt bewerten
Klare Strukturen
- verständliche Regeln
- transparente Abläufe
- klare Rollen für Trainer:innen, Helferspieler:innen und Eltern
Inklusion funktioniert dort am besten, wo Menschen wissen, woran sie sind.
Warum Menschen gehen – oft ohne ein Wort
Wenn Menschen den inklusiven Fußball verlassen, geschieht das selten aus Trotz.
Meist ist es das Ergebnis einer stillen Überforderung.
Fehlende Orientierung
- unklare Regeln
- wechselnde Maßstäbe
- Unsicherheit im Umgang mit unterschiedlichen Handicaps
Emotionale Überlastung
- zu laute Trainings
- zu viele Reize
- zu hohe Erwartungen
- fehlende Pausen
Unsichtbare Ausgrenzung
- kaum Ballkontakte
- ständiges „Zurückstecken müssen“
- starke Spieler:innen dominieren das Spiel
Fehlende Kommunikation
- Sorgen werden nicht gehört
- Eltern fühlen sich nicht ernst genommen
- Konflikte werden ausgesessen statt geklärt
Menschen gehen nicht, weil Inklusion schwierig ist.
Sie gehen, weil sie sich allein gelassen fühlen.
Die Rolle der Trainer:innen – Beziehung vor Methode
Trainer:innen sind im inklusiven Fußball weit mehr als sportliche Anleiter.
-
Sie sind:
- Übersetzer von Regeln
- Moderator:innen von Emotionen
- Schutzpersonen für Unsichere
- Vorbilder für Haltung
Entscheidend ist nicht, wie perfekt ein Training geplant ist, sondern wie flexibel, empathisch und klar es geführt wird.
Unsere Erfahrung bei den Ibbenbürener Kickers
-
Wir haben erlebt:
- Spieler:innen bleiben, wenn sie jede Woche kleine Erfolge erleben
- Eltern bleiben, wenn sie Vertrauen entwickeln
- Teams wachsen, wenn niemand Angst haben muss, zu scheitern
-
Manchmal bedeutet Teilhabe:
- ein Tor, bei dem der Torwart bewusst in die falsche Ecke springt
- ein Pass mehr statt eines eigenen Abschlusses
- ein Lächeln statt eines Kommentars
Diese Momente entscheiden darüber, ob jemand nächste Woche wiederkommt – oder nicht.
Inklusion ist kein Angebot für alle – aber ein Raum für viele
Nicht jeder bleibt.
Und das ist in Ordnung.
Inklusion ist kein Produkt, das allen gefallen muss.
Aber sie braucht eine klare Haltung:
- Mensch vor Ergebnis
- Beziehung vor Bewertung
- Sicherheit vor Tempo
Dort, wo diese Haltung spürbar ist, bleiben Menschen.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.