
Manche Spieler stehen im Spiel und wissen nicht, was sie tun sollen oder trauen sich nicht. Diese Seite zeigt, warum das passiert und wie Teilhabe im Fußball trotzdem gelingen kann.
Darum geht es
Im inklusiven Fußball gibt es eine Situation, die viele kennen:
Spieler stehen auf dem Platz – aber bewegen sich kaum.
Sie greifen nicht ins Spiel ein.
Das wirkt von außen oft so, als hätten sie kein Interesse.
Unsere Erfahrung zeigt: Das stimmt fast nie.
„Wenn Spieler stehen bleiben, fehlt nicht der Wille – sondern die Orientierung.“
– Inga Grabow
So sieht das in der Praxis aus
Ein Spieler steht frei auf dem Feld und bewegt sich kaum.
Der Ball läuft mehrfach an ihm vorbei.
Ein Mitspieler spricht ihn an: „Bleib bei mir.“
Beim nächsten Angriff läuft er mit – und bekommt den Ball.
Die Situation verändert sich sofort.
Nicht durch den Trainer.
Sondern durch einen Mitspieler.
Warum Spieler nicht ins Spiel kommen
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Die Gründe sind unterschiedlich:
- sie trauen sich nicht, aktiv zu werden
- andere Spieler sind körperlich überlegen oder sehr dominant
- sie wissen nicht genau, was sie tun sollen
- sie kennen die Regeln noch nicht
- sie haben Angst, etwas falsch zu machen
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Das betrifft:
- Kinder
- Jugendliche
- Erwachsene
- Menschen mit stärkeren Einschränkungen
Viele wollen mitmachen – aber finden keinen Zugang zum Spiel.
Genau hier beginnt für viele der entscheidende Schritt in den Fußball.
Typische Lösungen – und ihre Grenzen
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Häufig wird versucht, das Problem so zu lösen:
- Trainer gehen mit auf das Feld
- Eltern greifen ein
- das Spiel wird stark vereinfacht
Das hilft kurzfristig.
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Aber:
- Spieler bleiben abhängig
- echte Teilhabe entsteht nicht
- das Spiel verliert an Dynamik
Langfristig braucht es Lösungen, die Selbstständigkeit im Spiel ermöglichen.
Unser Ansatz: Teilhabe durch Mitspieler/in "Tandemspieler/in"
Unsere Erfahrung bei den Ibbenbürener Kickers zeigt:
👉 Teilhabe entsteht im Spiel – durch Mitspieler.
Wie Mitspieler konkret helfen können
Damit Teilhabe im Spiel entsteht, übernehmen Mitspieler bewusst Verantwortung.
Das kann so aussehen:
👉 ein Spieler spricht gezielt einen anderen an: "Bleib bei mir“ oder „Komm mit“
👉 ein Spieler spielt den Ball bewusst zu jemandem, der sonst wenig eingebunden ist
👉 ein Spieler läuft gemeinsam mit und gibt Orientierung im Spiel
Wenn Spieler/innen stehen bleiben, fehlt meist Orientierung – nicht Motivation.
Wie klare Kommunikation im Spiel hilft, zeigt dieser Ansatz. Diese Unterstützung passiert im Spiel – nicht von außen und auch nicht durch zusätzliche Erwachsene / Eltern oder Betreuer auf dem Feld.
Helferspieler und Tandemspieler – der Unterschied
Im inklusiven Fußball haben sich zwei Formen der Unterstützung bewährt:
👉 Helferspieler:innen
unterstützen das gesamte Spiel.
Sie achten darauf, dass alle beteiligt sind und greifen ausgleichend ein.
👉 Tandemspieler:innen
unterstützen gezielt einzelne Personen auf dem Feld.
Sie bleiben in der Nähe, geben Orientierung und ermöglichen aktive Spielbeteiligung.
Beide Rollen haben ein gemeinsames Ziel:
👉 Teilhabe ermöglichen – nicht das Spiel bestimmen.
Was oft falsch gemacht wird
Erwachsene greifen zu schnell ein.
Trainer oder Eltern betreten das Feld oder steuern das Spiel von außen.
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Das führt dazu, dass:
- Spieler sich noch weniger trauen
- Abhängigkeit entsteht
- Mitspieler keine Verantwortung übernehmen
Ein weiterer häufiger Fehler:
👉 dominante Spieler bekommen zu viel Raum
👉 unsichere Spieler werden nicht aktiv eingebunden
So entstehen genau die Situationen, die man eigentlich vermeiden möchte.
Was stattdessen entscheidend ist
Teilhabe entsteht nicht durch Vereinfachung – sondern durch bewusste Einbindung im Spiel.
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Das bedeutet:
- Mitspieler übernehmen Verantwortung
- Trainer halten sich bewusst zurück
- Spieler werden aktiv angesprochen und eingebunden
So entsteht Schritt für Schritt Sicherheit im Spiel.
👉
Viele dieser Situationen lassen sich nicht durch Erklären lösen – sondern nur durch gemeinsames Erleben im Spiel.
Fazit
👉 Tandemspieler:innen werden vor allem dann eingesetzt, wenn einzelne Spieler gezielte Unterstützung benötigen, um aktiv am Spiel teilnehmen zu können.
Wenn Spieler stehen bleiben, ist das kein Zeichen von Desinteresse.
Es ist ein Zeichen dafür, dass Orientierung fehlt.
Inklusion im Fußball bedeutet nicht, alle gleich aktiv zu machen.
Sondern dafür zu sorgen, dass jeder (s)einen Zugang zum Spiel findet.
Und genau dieser Zugang entsteht im Spiel selbst – durch Mitspieler, die Verantwortung übernehmen.