
Wenn Helfen wollen nicht reicht – und Haltung den Unterschied macht
Inklusion beginnt selten mit Konzepten.
Sie beginnt fast immer mit guter Absicht.
Gute Absicht reicht nicht aus – echte Teilhabe entsteht erst durch klare Umsetzung im inklusiven Fußball
Menschen wollen helfen. Vereine wollen offen sein. Trainer:innen wollen niemanden ausschließen.
Und trotzdem scheitern inklusive Angebote – leise, schleichend, oft ohne dass es jemand merkt.
Die Ursachen liegen meist tiefer als erwartet.
Nicht, weil jemand böse handelt.
Sondern weil gute Absicht allein keine Inklusion ist.
„Gute Absicht ist der Anfang – aber ohne Haltung bleibt sie wirkungslos.“
– Marcel Grabow
Gute Absicht fühlt sich richtig an – wirkt aber nicht automatisch richtig
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Viele inklusive Projekte starten mit Sätzen wie:
- „Bei uns ist jeder willkommen.“
- „Wir wollen niemanden benachteiligen.“
- „Wir machen das schon irgendwie.“
Diese Haltung ist menschlich – aber nicht ausreichend.
Warum Haltung dabei entscheidend ist, wird hier deutlich.
Denn Inklusion entsteht nicht dadurch, dass man niemandem wehtun will.
Sie entsteht dadurch, dass man Verantwortung übernimmt, Unterschiede erkennt und bewusst handelt.
Ohne Struktur, Klarheit und Haltung bleibt gute Absicht oft folgenlos.
Diese Grundlagen müssen bewusst aufgebaut werden.
Was oft falsch verstanden wird
Viele glauben, Inklusion bedeutet:
alle gleich behandeln.
Das Gegenteil ist der Fall.
Inklusion bedeutet, Unterschiede zu erkennen und bewusst darauf zu reagieren.
Typische Situationen aus der Praxis
1. Alle dürfen mitmachen – aber niemand wird wirklich eingebunden
Ein Spieler steht auf dem Feld.
Er bekommt kaum den Ball.
Niemand spricht ihn an.
Niemand erklärt ihm, was er tun kann.
Formal ist er dabei.
Faktisch ist er allein.
Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen Teilnahme und Teilhabe.
Gute Absicht hat ihn aufs Feld gebracht – fehlende Haltung lässt ihn dort stehen.
2. Rücksicht wird mit Wegsehen verwechselt
Trainer:innen wollen niemanden bevormunden.
Also greifen sie nicht ein.
- wenn dominante Spieler alles bestimmen
- wenn schwächere Spieler übergangen werden
- wenn emotionale Überforderung sichtbar wird
Aus Angst, „etwas falsch zu machen“, wird gar nichts gemacht.
Doch Inklusion braucht Führung – keine Passivität.
So sieht das in der Praxis aus
Ein Spieler steht auf dem Feld.
Er läuft mit, bekommt aber keinen Ball.
Mitspieler spielen untereinander.
Niemand spricht ihn aktiv an.
Von außen wirkt alles korrekt.
Aber Teilhabe findet nicht statt.
„Nicht einzugreifen ist auch eine Entscheidung – und oft die falsche.“
– Inga Grabow
3. Helfen ohne Verständnis
Man hilft, wie man selbst geholfen werden möchte –
nicht so, wie der andere es braucht.
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Beispiele:
- Autistische Spieler werden ständig angesprochen → Reizüberflutung
- Spieler mit geistiger Beeinträchtigung werden übererklärt → Überforderung
- Spieler mit körperlichen Einschränkungen werden geschont → Ausgrenzung
Gute Absicht, falsche Wirkung.
Unterschiedliche Bedürfnisse müssen verstanden werden.
Inklusion braucht Haltung – nicht nur Herz
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Haltung bedeutet:
- Unterschiede anzuerkennen, ohne sie zu bewerten
- Strukturen zu schaffen, die Sicherheit geben
- klar zu führen, ohne autoritär zu sein
- einzugreifen, wenn Teilhabe gefährdet ist
Das ist anstrengender als „einfach nett sein“.
Aber nur so entsteht echte Teilhabe.
„Inklusion bedeutet nicht nett sein – sondern verantwortlich handeln.“
– Nico Grabow
Warum gute Absicht sogar schaden kann
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Unreflektierte Hilfsbereitschaft kann:
- Abhängigkeiten schaffen
- Selbstwirksamkeit verhindern
- Ungleichgewichte verstärken
- Frustration bei allen Beteiligten erzeugen
Viele dieser Effekte entstehen unbewusst im Alltag.
Inklusion heißt nicht, alles laufen zu lassen.
Inklusion heißt, bewusst zu gestalten.
Das erfordert klare Regeln und Orientierung.
Was stattdessen hilft
1. Klare Rollen auf dem Feld
- Wer unterstützt?
- Wer lenkt?
- Wer braucht Raum?
- Wer braucht Schutz?
2. Regeln, die Teilhabe sichern
- Spielzeit für alle
- Anpassung von Spielformen
- klare Ansprache bei unfairen Situationen
3. Mut zur Entscheidung
Nicht jede Entscheidung fühlt sich bequem an.
Aber Führung zeigt sich genau dort.
Inklusion ist kein Gefühl – sondern eine Praxis
Gute Absicht ist ein Anfang.
Aber erst Haltung, Erfahrung und Konsequenz machen daraus Inklusion.
Wer inklusiv arbeiten will, darf Fehler machen.
Aber er muss bereit sein, hinzuschauen, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.
Das ist kein Makel. Das ist Professionalität.
Professionelle inklusive Arbeit entwickelt sich kontinuierlich weiter.
„Inklusion zeigt sich im Handeln – nicht in guten Worten.“
– Timm Grabow
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir, die Ibbenbürener Kickers, teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.