Wenn gute Ideen an der Realität zerbrechen
Inklusion im Fußball scheitert selten an bösem Willen.
Sie scheitert an Überforderung, fehlender Klarheit und daran, dass viele Probleme zwar gespürt, aber nicht offen angesprochen werden.
Genau darüber wird selten gesprochen – aus Angst, anzuecken oder als „nicht inklusiv genug“ zu gelten. Dabei braucht Inklusion gerade eines: Ehrlichkeit.
Dieser Beitrag benennt typische Gründe, warum inklusive Angebote ins Stocken geraten – und zeigt, wie man rechtzeitig gegensteuern kann.
1. Wenn Teilnahme mit Teilhabe verwechselt wird
Ein häufiger Irrtum:
„Alle dürfen mitmachen – also ist es inklusiv.“
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In der Praxis bedeutet das oft:
- Spieler:innen stehen auf dem Feld, werden aber kaum angespielt
- Einzelne sind körperlich oder emotional überfordert
- Manche erleben kaum Erfolgserlebnisse
Teilnahme ist nicht gleich Teilhabe.
Teilhabe entsteht erst dann, wenn Menschen sich gesehen, gebraucht und ernst genommen fühlen.
Praxisansatz:
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Trainer:innen müssen aktiv steuern:
- Spielregeln anpassen
- Rollen klar verteilen
- schwächere Spieler gezielt ins Spiel einbinden
2. Wenn Leistungsdenken unbemerkt die Führung übernimmt
Viele inklusive Angebote scheitern nicht sofort – sondern schleichend.
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Ein deutliches Warnsignal ist, wenn:
- Ergebnisse wichtiger werden als Entwicklung
- immer dieselben Spieler entscheiden
- schwächere Spieler seltener eingesetzt werden
Gerade im inklusiven Fußball kann Leistungsdenken enorme Schäden anrichten, weil die Voraussetzungen der Beteiligten nicht vergleichbar sind.
Wichtig:
Inklusion braucht Bewertung nach Wirkung, nicht nach Ergebnis.
3. Wenn Trainer:innen alles auffangen sollen
In vielen Vereinen lastet inklusive Arbeit auf wenigen Schultern. Trainer:innen übernehmen dann gleichzeitig:
- sportliche Leitung
- soziale Begleitung
- Konfliktmanagement
- emotionale Stütze für Spieler und Eltern
Das führt fast zwangsläufig zu Überforderung.
Praxisansatz:
- klare Rollen im Verein definieren
- Eltern einbinden, ohne Verantwortung abzugeben
- realistische Gruppengrößen festlegen
Inklusion ist Teamarbeit – kein Einzelprojekt.
4. Wenn Konflikte ignoriert statt begleitet werden
Inklusion bringt unterschiedliche Bedürfnisse zusammen:
- körperliche Einschränkungen
- emotionale Belastungen
- unterschiedliche Kommunikationsfähigkeiten
- verschiedene Erwartungshaltungen
Konflikte sind kein Zeichen des Scheiterns, sondern normal.
Problematisch wird es, wenn sie nicht angesprochen werden.
Typische Folgen:
- stille Rückzüge
- Frust bei Spieler:innen
- Spannungen zwischen Eltern, Trainern und Teams
Lösung:
Frühzeitige, ruhige Gespräche – ohne Schuldzuweisung, aber mit klarer Haltung.
5. Wenn niemand sagt, was gerade nicht funktioniert
Vielleicht der wichtigste Punkt:
Inklusion scheitert oft, weil niemand den Mut hat zu sagen:
„So, wie wir es gerade machen, funktioniert es nicht für alle.“
Aus Angst, jemanden zu verletzen oder als „unfähig“ zu gelten, werden Probleme verdrängt – bis sie größer werden.
Dabei ist genau das Gegenteil wahr:
Inklusion lebt von Reflexion.
Gute inklusive Arbeit stellt regelmäßig Fragen:
- Wer kommt gerade zu kurz?
- Wer wirkt überfordert?
- Welche Regeln brauchen wir neu?
Was Inklusion wirklich trägt
Inklusion scheitert nicht an Fehlern.
Sie scheitert daran, Fehler nicht benennen zu dürfen.
Erfolgreiche inklusive Arbeit zeichnet sich aus durch:
- Offenheit für Kritik
- Bereitschaft zur Anpassung
- Mut, Entscheidungen zu treffen
- den Willen, Teilhabe immer wieder neu zu ermöglichen
Inklusion ist kein Zustand.
Sie ist ein ständiger Prozess.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir, die Ibbenbürener Kickers, teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.