Warum gute Ideen oft scheitern – und wie man es besser macht
Inklusion im Sport beginnt oft mit einer starken Idee und viel Motivation. Doch genau dort liegen auch die größten Risiken.
Viele inklusive Sportangebote scheitern nicht an mangelndem Engagement, sondern an falschen Annahmen, fehlender Struktur oder Überforderung aller Beteiligten.
Dieser Beitrag benennt die häufigsten Fehler beim Aufbau inklusiver Sportangebote –
nicht, um zu kritisieren, sondern um zu helfen.
Aus der Praxis. Ehrlich. Klar. Lösungsorientiert.
Fehler 1: Inklusion ohne klares Ziel starten
Ein häufiger Fehler ist der Satz:
„Wir machen jetzt einfach Inklusion.“
Was gut gemeint ist, führt ohne Ziel schnell zu Unsicherheit:
- Für Trainer:innen
- Für Spieler:innen
- Für Eltern
- Für den Verein
Inklusion braucht eine klare Haltung, z. B.:
- Geht es um Teilhabe ohne Leistungsdruck?
- Oder um sportlichen Wettbewerb mit inklusiven Elementen?
- Welche Zielgruppe sprechen wir an?
Ohne Ziel entsteht Chaos – kein Raum für Teilhabe.
Fehler 2: Zu viele Anforderungen auf einmal
Ein inklusives Angebot soll oft alles gleichzeitig leisten:
- verschiedene Altersgruppen
- unterschiedliche Behinderungsformen
- Anfänger:innen und Fortgeschrittene
- soziale, sportliche und pädagogische Ziele
-
Das überfordert:
- Trainer:innen
- Helfer:innen
- Spieler:innen
Inklusion wächst nicht durch Tempo, sondern durch Stabilität.
-
Besser:
- klein starten
- Erfahrungen sammeln
- Strukturen anpassen
- Schritt für Schritt erweitern
Fehler 3: Trainer:innen alleine lassen
Inklusion wird häufig einzelnen engagierten Trainer:innen „übertragen“.
Ohne Absprache. Ohne Rückhalt. Ohne Unterstützung.
Das ist gefährlich.
Denn inklusive Arbeit bedeutet:
- emotionale Verantwortung
- Konfliktmanagement
- Grenzsetzung
- Kommunikation mit Eltern
- Verantwortung für Sicherheit
Inklusion ist Teamarbeit – keine Einzelleistung.
-
Ein Verein muss:
- klare Zuständigkeiten schaffen
- Rückhalt geben
- Entscheidungen mittragen
Fehler 4: Eltern nicht einbinden – oder falsch einbinden
Zwei Extreme sind problematisch:
❌ Eltern komplett ausklammern
→ Unsicherheit, Missverständnisse, fehlende Unterstützung
❌ Eltern als 1:1-Betreuung einplanen
→ Ungleichgewicht, Überforderung, Abhängigkeiten
-
Richtig ist:
- transparente Kommunikation
- klare Rollen
- gemeinsame Verantwortung
Eltern sind Partner, keine Zuschauer –
aber auch keine Ersatztrainer:innen.
Fehler 5: Leistungsdenken unreflektiert übernehmen
Viele inklusive Angebote scheitern, weil sie unbewusst Regeln aus dem leistungsorientierten Fußball übernehmen:
- Tabellen
- Platzierungen
- feste Spielzeiten nur für „starke“ Spieler:innen
- Fokus auf Ergebnisse
-
Das führt dazu, dass:
- schwächere Spieler:innen verschwinden
- Frust entsteht
- Teilhabe verloren geht
Inklusion misst sich nicht am Ergebnis, sondern an Beteiligung.
Fehler 6: Sicherheit unterschätzen
Inklusiver Sport bringt unterschiedliche körperliche Voraussetzungen zusammen:
- Rollstühle
- Gehhilfen
- motorische Einschränkungen
- emotionale Überforderung
Ohne klare Regeln entsteht Verletzungsgefahr –
nicht aus böser Absicht, sondern aus Unwissen.
-
Sicherheit bedeutet:
- angepasste Spielformen
- klare Grenzen
- Mut zum Eingreifen
- Schutz aller Beteiligten
Fehler 7: Keine Haltung zeigen, wenn es schwierig wird
Spätestens wenn Konflikte auftreten, zeigt sich, ob ein Angebot wirklich inklusiv ist.
-
Typische Situationen:
- unsportliches Verhalten
- Überforderung einzelner Spieler:innen
- emotionale Ausbrüche
- Ungerechtigkeit auf dem Platz
Wegsehen ist keine Lösung.
Aber auch harte Sanktionen ohne Einordnung helfen nicht.
-
Inklusion braucht:
- klare Haltung
- ruhige Führung
- erklärende Entscheidungen
Was wirklich hilft: Ein stabiler Rahmen
Erfolgreiche inklusive Sportangebote haben gemeinsam:
- klare Werte
- transparente Regeln
- angepasste Spielformen
- offene Kommunikation
- Raum für Fehler und Entwicklung
Inklusion ist kein fertiges Konzept.
Sie ist ein lernender Prozess.
Fazit
Die meisten Fehler im inklusiven Sport entstehen nicht aus Absicht, sondern aus Überforderung und fehlender Orientierung.
Wer Inklusion langfristig gestalten will, braucht:
- Geduld
- Struktur
- Haltung
- Mut zur Reflexion
Und vor allem:
den Willen, Menschen wichtiger zu nehmen als Ergebnisse.
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir, die Ibbenbürener Kickers, teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.