Gemeinschaft, Teilhabe und Erlebnis statt „Das haben wir schon immer so gemacht“
Inklusive Turniere sehen auf den ersten Blick oft ähnlich aus.
Und doch unterscheiden sie sich grundlegend – nicht im Regelwerk, sondern in der Haltung, mit der sie geplant und durchgeführt werden.
Dieser Artikel soll keinen Vergleich werten, sondern zeigen, warum es viele Wege gibt, ein inklusives Turnier zu gestalten – und warum Gemeinschaft und Teilhabe dabei eine zentrale Rolle spielen.
Es gibt nicht den einen richtigen Weg
Zunächst ist wichtig festzuhalten:
Nicht jedes inklusive Turnier muss gleich aussehen.
Nicht jeder Veranstalter hat dieselben Möglichkeiten.
Nicht jede Region, nicht jeder Verein, nicht jedes Budget ist vergleichbar.
Ein klassischer Turnierablauf sieht häufig so aus:
- Ankunft der Teams einer Altersgruppe
- kurze Begrüßung (oft unterstützt durch lokale Politik oder Verbände)
- Trainerbesprechung
- Turnierspiele
- Siegerehrung
- Abreise der Teams
Das ist völlig legitim – und für viele Vereine gut umsetzbar.
Teilhabe beginnt nicht erst auf dem Spielfeld
Wir haben für uns gelernt:
Inklusion endet nicht mit dem Anpfiff.
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Teilhabe bedeutet auch:
- sich willkommen fühlen
- verstanden werden
- Zeit miteinander verbringen
- Teil eines Ganzen sein – unabhängig von Spielstärke, Alter oder Rolle
Deshalb betrachten wir Turniere nicht nur als sportlichen Wettbewerb, sondern als gemeinschaftliches Erlebnis.
Wenn Gemeinschaft ein Turnier prägt
Unsere Turniere haben sich über die Jahre gemeinsam mit unserer Gemeinschaft entwickelt.
Spieler:innen, Eltern, Betreuer:innen, Ehrenamtliche – viele haben Ideen eingebracht.
Nicht aus dem Anspruch heraus, etwas „besser“ zu machen, sondern passender für alle.
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So sind Elemente entstanden wie:
- wechselnde Altersgruppen im Turnierverlauf
- längere Pausen, dafür mehr Begegnung
- Musik, Moderation und Atmosphäre
- Mitmachangebote
- Raum für Gespräche, Austausch und Emotion
Nicht, weil es vorgeschrieben ist – sondern weil es sich richtig angefühlt hat.
Unterhaltung ist kein Widerspruch zu Inklusion
Musik, Tormelodien, Moderation oder kleine Showelemente werden manchmal kritisch gesehen.
Unsere Erfahrung ist eine andere.
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Diese Elemente können:
- Nervosität abbauen
- Freude verstärken
- Spieler:innen sichtbar machen
- Eltern und Familien einbinden
- das Gefühl vermitteln: „Ich bin hier wichtig.“
Wenn Spieler:innen nach einem Tor jubeln wie Profis – dann ist das kein Showeffekt.
Dann ist es Selbstwirksamkeit.
Verantwortung liegt beim Veranstalter
Ein wichtiger Punkt – und einer, der oft unterschätzt wird:
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Der Veranstalter trägt die Verantwortung für:
- Ablauf
- Atmosphäre
- Rahmenbedingungen
- Schutz und Sicherheit
- Kommunikation
Gäste – Trainer:innen, Teams, Begleitpersonen – sind Teilnehmende, nicht Gestaltende des Konzepts.
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Unterschiede im Ablauf entstehen aus:
- Größe des Turniers
- Anzahl der Helfer:innen
- Sponsorenunterstützung
- vorhandener Infrastruktur
Das ist kein Qualitätsurteil – sondern Realität.
Sichtbarkeit & Medien – sensibel, aber wichtig
Viele inklusive Turniere werden dokumentiert.
Fotos, Videos und Berichte dienen nicht der Selbstdarstellung, sondern:
- der Sichtbarkeit von Inklusion
- der Aufklärung
- der Anerkennung der Spieler:innen
- der Motivation anderer Vereine
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Dabei gilt immer:
- Kinderschutz hat Priorität
- sensible Motive werden respektvoll behandelt
- Eltern und Betroffene werden einbezogen
Sichtbarkeit darf niemals auf Kosten von Schutz gehen – aber Unsichtbarkeit hilft Inklusion auch nicht.
Kleine Details mit großer Wirkung
Inklusion zeigt sich oft in scheinbaren Kleinigkeiten:
- übersichtliche Preislisten
- runde, leicht verständliche Preise
- Symbole als Textergänzung
- klare Abläufe
- einfache Orientierung
Diese Details entscheiden mit darüber, ob sich alle selbstständig bewegen können – oder ständig Hilfe brauchen.
Unsere Haltung
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Wir glauben:
- Turniere sind Begegnungsräume
- Teilhabe ist wichtiger als Perfektion
- Gemeinschaft entsteht durch Mitgestaltung
- Entwicklung beginnt dort, wo man zuhört
Wir veranstalten keine Turniere nach dem Motto
„Das haben wir schon immer so gemacht.“
Sondern nach dem Prinzip:
„Was brauchen die Menschen, die heute hier sind?“
Noch Fragen aus der Praxis?
Viele Herausforderungen im inklusiven Fußball lassen sich nicht mit Regeln oder Checklisten lösen. Oft geht es um Erfahrung, Fingerspitzengefühl und den Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du als Trainer/in, Spieler/in, Elternteil oder Verein vor einer konkreten Situation stehst – im Training, bei Turnieren oder im Umgang mit einzelnen Spieler/innen – melde dich gerne bei uns.
Wir teilen unsere Erfahrungen aus dem inklusiven Fußball ehrlich, praxisnah und ohne belehrenden Zeigefinger.